Modelleisenbahn – das schönste Hobby der Welt

  14.01.2026 Gesellschaft

Der Traum von der eigenen, kleinen heilen Welt – der Modelleisenbahn-Club Baar (MEB) hat sich im Jahr 1972 diesen Wunsch erfüllt. Seit 1998 wird im Club-Lokal in der Waldmannhalle in Baar gebaut.

HANS-PETER SCHWEIZER

Es ist dies ein Hobby, das in seiner Vielseitigkeit und Kreativität ungeahnte Möglichkeiten bietet. Sei es im theoretischen Planen und Gestalten einer Eisenbahnanlage, im Aufbau und Betrieb komplizierter technischer und elektrischer Vorgänge oder im Verwirklichen einer bis in die letzten Details naturgetreuen Landschaft. Auch wenn es gemeinhin eher als Männer-Hobby gilt, bauen ebenso viele Frauen gerne an den Modellwelten mit. An drei Tagen zwischen dem 20. und 24. Dezember 2025 lud der Modelleisenbahn-Club Baar wiederum alle interessierten Personen zu den öffentlichen Vorführungen im Club-Lokal im Untergeschoss der Waldmannhalle ein. Das etwas garstig-kalte Wetter trug zu einem grossartigen Besucheraufmarsch an allen drei Tagen bei.

Öffentliche Vorführungen 2025
Präsentiert wurden drei Anlagen in den Nenngrössen 0/0m (1:43) und H0 (1:87). Präsident Thomas Pfiffner ist seit bald zehn Jahren MEB-Mitglied und beschreibt die Menschen, die dem «Eisenbahnvirus» verfallen sind, etwa so: «Die einen haben Freude am Gestalten von Landschaften, die andern sind eher die Elektroniker, und seit geraumer Zeit sind auch Software-Spezialisten aktiv, sei es für die Gleisplanung oder den Fahrbetrieb». Beim Betrachten des Modells einer Ae 6/6, der berühmten «Gotthard-Loki», offenbarte MEB-Mitglied Gottfried Binzegger, dass er diese SBB-Maschine einst als Lokführer gefahren hätte. Zwischen dem 6. und 9. Dezember 1966 wurde in Baar nämlich eine SBB-Lokomotive auf den Namen «Baar» getauft. In diesen vier Tagen stand die «Ae 6/6» auf einem Nebengleis im beflaggten Baarer Bahnhof. Der heuer 94 Jahre zählende Binzegger arbeitete damals als Lokomotivführer im Depot Erstfeld, und es war für ihn ein besonderes Ereignis, das 120 Tonnen schwere und fast 6’000 PS starke Kraftpaket der Baarer Bevölkerung zeigen zu dürfen.

Paradeanlage der Spur 0 (Null)
Die Spur-0-Anlage ist im Wesentlichen ein doppelspuriger Kreis mit dem Bahnhof Zug, zwei Schattenbahnhöfen mit insgesamt 24 Abstellgleisen, zwei weiteren Abstellgleisen von 18 Meter Länge für lange Güterzüge. Rund um den Bahnhof Zug entsteht eine Stadt. Das übrige Gelände ist ländlich geprägt und – bedingt durch mehrere Brücken – gebirgig. Gebäude entstanden grösstenteils als Modelle von örtlichen Originalbauten. Am Bahnhof Zug mit seinen sechs Durchfahrtsgleisen halten auch die Tramgleise der ehemaligen «Elektrischen Strassenbahn Zug» in der Spurweite 0m. Dort verkehren Modelle der damaligen ESZ (Aegeri-Tram), gebaut vom «Vollblutmodelleisenbahner» Karl Drescher (1933–2025). Mit seiner Ausdauer und seinem Geschick arbeitete Drescher viele Jahre im MEB mit. Er schuf für die Modelleisenbahnanlage beeindruckende Bauten und unzählige Schienenfahrzeugmodelle. Beim Bahnhof Zug sind noch Gleise für Lokschuppen, Güterschuppen und einen Industrieanschluss mit Rangierbetrieb geplant. Mit einer baldigen Erweiterung der 0m-Gleise zur Anlagen vorderkante soll der Betrachter die schönen Selbstbaumodelle auch von Nahem begutachten können.

Jugendförderung – eine Herzensangelegenheit
Der Klub hat zurzeit etwa 60 Mitglieder, wobei etwa zehn die wöchentlichen Bauabende im Keller besuchen. Ein besonderes Anliegen ist Präsident Pfiffner die Nachwuchsförderung: «Auch Mädchen sind durchaus interessiert, wenn man sie an die Leidenschaft Modellbahn heranführt.» Weil auch beim MEB eine grosse Überalterung festgestellt wurde, kam die Idee auf, einen Club für Mädchen und Jungs zu gründen. Um Jugendliche aktiv am Hobby Modelleisenbahn zu beteiligen, wurde bereits im Jahr 2020 der «Junior-Club» gegründet. Im Werkraum der nahegelegenen Schule baut eine Jugendgruppe mit sechs Kindern eine Modulanlage in Form eines «Hundeknochens» (zentrale Strecke mit zwei Kehrschleifen an den Enden). Jedes Juniormitglied (ab 10 Jahren) gestaltet sein Modul von 40 x 90 Zentimeter in Absprache mit seinen «Modulnachbarn» wie es ihm gefällt. Diese Module bilden die Grundlage einer bis zu acht Meter langen Anlage. Verbaut werden Zweistromgleise. Weichen werden mit Unterflurmotoren bestückt. Zur Steuerung wird die Digitalzentrale Z21 der Firma Roco verwendet. Diese ermöglicht die Steuerung der Züge über eine Smartphone-App. Ziel ist es, die Mädchen und Knaben in allen Tätigkeiten zu ertüchtigen, damit sie einst im Club mitarbeiten können. Mit verschiedenen Aktionen wie exklusiven Fahrabenden für Juniormitglieder versuchen die erwachsenen Mitglieder, der jungen Generation den Übertritt in den Club zu erleichtern.

Weitere Informationen unter www.mebaar.ch


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